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August Fleischmann

„Gott sei Dank, dass ich so bin!“

August Fleischmann (1859-1931) ist eine der wichtigsten Figuren der Homosexuellenemanzipation in München. Mit seiner Zeitschrift "Der Seelenforscher", die er 1902 erstmals herausgab und die bis 1904 in 13 Ausgaben erschien, gab er vor allem seiner zentralen Forderung nach Straffreiheit für einvernehmliche Sexualität zwischen Männern Ausdruck. In weiteren 13 selbstständigen Publikationen setzte er sich intensiv mit den Themen sexuelle Identität, Erpressertum und Verortung des homosexuellen Mannes in der spätkaiserzeitlichen Gesellschaft auseinander. Mit der Kreation "Freundling" beteiligte er sich an der Diskussion um eine geeignete Selbstbezeichnung für homosexuelle Männer.

Anlass für Fleischmanns Aktivitäten war seine Verurteilung nach §175. Durch seine frühe Verbindung zu Magnus Hirschfeld glaubte er an seine Berechtigung zu einer Vorreiterrolle in München, die ihm jedoch bald von den Vertretern des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) München streitig gemacht wurde. Nach weiteren Verurteilungen und auch nach der weitgehenden Ablehnung und Abwertung seiner Schriften resignierte er 1908 und stellte 1919 endgültig seine schriftstellerische Tätigkeit ein. Der rhetorisch schwerfällige Fleischmann verlegte sich von da ab auf den Verkauf von Aktfotografien.

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Letzte Änderung: 03.06.2016 (JIO)